Ich weiss genau, mit welcher Ernährung es mir seit Jahren langfristig am besten geht. Viele Früchte, viel (besonders wildes) Grün. Wenig Fett. Möglichst mono, nur wenig gemischt. Trotzdem falle ich immer wieder in Phasen, in denen ich anders esse: schwerer, fettiger, gemischter. Zwar werden sie seltener, & so manches an suboptimaler Rohkost, wie z. B. Fertigprodukte (rohe Schokoriegel) oder isolierte Produkte (Agavennektar und Co) esse ich so gut wie gar nicht mehr, weil ich sie einfach kaum oder gar nicht mehr mag. Wieso aber immer wieder dieses Hin & Her? Nun, manchmal folge ich meinem Bedarf – gern auch mal dem emotionalen. Oder lasse mich, auf Rohkosttreffen oder ähnlichen Gelegenheiten, wider besseren Wissens verführen. Beides führt mitunter zu einem Abrutschen in, sagen wir mal: ungünstigere, Gewohnheiten. Viele kennen dieses Auf & Ab mit Wechseln zwischen roh & nicht-roh … was für mich glücklicherweise seit meinem ersten Tag roh kein Thema ist.
Ich denke, es spielen mehrere Aspekte hinein, in das Hin & Her zwischen dem (sowohl mit dem Kopf als auch den Sinnen) als richtig Erkannten & dem, was wir dennoch immer wieder anders machen.
- Körperliche: wer sich nicht ausreichend & bedarfsdeckend ernährt, beispielsweise zu wenig isst, zu einseitig, zu nährstoffarm, der entwickelt Gelüste. Eigentlich auf das, was fehlt. Da das aber nicht immer so leicht zu erspüren ist & unser Gehirn natürlich auch mit dem arbeitet, was es aus langen Jahren kennt, kann z. B. schlichter Hunger, Unterzuckerung, dazu führen, dass die Pizza aus dem Restaurant nebenan plötzlich unglaublich lecker riecht. Was dagegen hilft, ist offensichtlich: ausreichend essen – wobei die Betonung auf “ausreichend Nährstoffe” liegen sollte, nicht zwangsläufig auf großen Mengen. Maßnahme in akuten Situationen: die erspürten Gelüste analysieren (Beispiel: Jieper auf Chips = fettig & salzig = Mineralstoffe und evtl. Fett) & den Bedarf mit etwas geeigneterem decken (um im Beispiel zu bleiben: Grünzeug mit Avocado oder Oliven oder Algen & Nüsse).
- Emotionale: mitunter drücken derartige Gelüste natürlich auch emotionale Bedürfnisse aus. Die, wissen wir alle, besser anders als durch Essen erfüllt werden sollten. Ein nicht immer leichter Weg, auf dem ich wohl noch eine Weile unterwegs sein werde
- Seelische: mit roher Ernährung steigt die Sensibilität; vieles in unserer Alltagswelt, mit dem wir uns früher abgefunden/arrangiert haben, wird zunehmend unerträglicher. Auf schwerere Nahrung (sei sie nun gekocht, gemischt, fettiger als nötig) oder Überessen zurückzugreifen, kann das so begründete seelische Unwohlsein oder gar den Schmerz betäuben.
- Soziale: die meisten von uns sind mit ihrer Rohkost-Ernährung (selbst schon mit einer veganen Lebensweise) ständig “anders” als der Rest der Welt. Werden angestaunt, müssen erklären, in eigentlich alltäglichen Situationen immer wieder besonders organisieren … das liegt nicht Jedem/Jeder. Mir macht es absolut nichts aus, mich außerhalb des Mainstreams zu bewegen & ich halte es nicht für mein Problem, wenn eine Gastgeberin sich dadurch verletzt fühlt, dass ich ihre Torte/Auflauf/Braten ablehne. Ich kenne jedoch einige RohköstlerInnen, die es vorziehen, bei solchen Gelegenheiten sich anzupassen, gekocht zu essen, um nicht aufzufallen.


