Posts Tagged ‘Einfachheit’



Einfach lecker

Sunday, June 19th, 2011

Die letzten Tage sowie der gestrige Kommentar von Jademond (danke!) haben es mir wieder mal bewusst gemacht: Je einfacher Mahlzeiten ausfallen, desto leckerer sind sie. Und desto befriedigender. Das fällt mir immer wieder auf. Sicher, gelegentlich schmeckt auch eine Rohkosttorte köstlich, oder ein Dipp zum Gemüse. Manchmal probiere ich ein neues Rezept aus & bin dann eine kurze Zeit lang ganz wild darauf – so wie kürzlich die Maischips. Zwar schon ein recht einfaches Rezept mit nur vier verschiedenen Zutaten und ohne Salz oder Gewürze. Dennoch: nahezu alle Rohkostzubereitungen, jede Verarbeitung, Mischung, Denaturierung der Nahrung scheint mehr oder weniger suchterzeugend zu sein. Mehr noch bei Verwendung verarbeiteter, aus ihrem natürlichen Zusammenhang isolierter, Zutaten wie Salz oder Agavennektar.

Dieses suchtartige Verlangen nach solchen Speisen lässt sich einfach von dem auf einem körperlichen Bedarf beruhenden Verlangen nach bestimmten puren Früchten, Gemüsen, Blättern unterscheiden: ich muss nur beobachten, wie ich mich danach fühle! Der Genuss zubereiteter Leckereien ist ein kurzfristigerer, macht mich nicht nur nicht so glücklich sondern lässt mich mich eher im Nachhinein unwohl fühlen. Nicht wirklich genährt sondern eher (zu sehr) gefüllt. Was mit der schwereren Verdaulichkeit zusammenhängt – ein Effekt, der natürlich erst nach einer gewissen Zeit mit Rohkosternährung auffällt.

Wie eine Freundin es vor Jahren mal formulierte: Der Rohkost-Weg ist eine Einbahnstraße … mit ein wenig Achtsamkeit für den eigenen Körper fühlt sich nämlich, sobald er das wirklich gute Gefühl einer naturgemäßen Ernährung kennt, nichts anderes mehr richtig an.

Merkwürdigerweise lassen sich mein Instinkt & meine Erfahrung mit solchen Zubereitungen wie Torten, Soßen oder Chips, denen die Zutaten nicht mal mehr anzusehen sind, eher austricksen als mit gemischten Salaten – die mag ich schon seit Jahren nicht mal mehr anrühren.

So richtig richtig lecker – das sind für mich die puren, ursprünglichen Geschmäcker der Früchte und Gemüse, so wie sie sind. Am besten dann noch Mono, also nur eine Sache pro Mahlzeit. Mehr als zwei oder drei Sachen gleichzeitig sind mir auf jeden Fall zuviel, dann verliert das Essen an Genuss. Grünzeug als ständige Beilage ausgenommen :)

Eigentlich wollte ich euch hier ein Foto meines Abendessens zeigen, aber leider hab ich beim Anblick des leckeren Essens glatt das Fotografieren vergessen – deshalb nur mal wieder das Menü des (gestrigen) Tages:

Übungen in Einfachheit

Thursday, August 26th, 2010

Über Jinjee’s Newsletter kam heute eine schöne Anregung: Eine Gruppe von Menschen hat Anfang des Sommers ein interessantes Experiment gestartet. Unter dem Motto “Six items or less” (“Sechs Teile oder weniger”) haben sie sechs Kleidungsstücke ausgewählt (Socken, Unterwäsche, Bade- und Sportkleidung nicht mitgerechnet) & nur diese einen Monat lang getragen. Natürlich mit der Möglichkeit, sie zwischendurch zu waschen ;)

Die TeilnehmerInnen haben das Experiment durchweg als sehr befreiende Erfahrung beschrieben. Ein Paar hat das Ganze noch erweitert: sie haben ihren gesamten Besitz (einschließlich Auto, Kleidung, Geschirr etc) auf 100 Teile pro Person reduziert.

Mir gefallen diese Ideen ausgesprochen gut! Ich habe meinen Hausstand in den letzten Jahren schon mehrere Male deutlich reduziert; von nur 100 Sachen bin ich noch weit entfernt, aber die befreiende Wirkung habe ich jedes Mal bemerkt!

Auch bei der alltäglichen Nahrungsversorgung empfinde ich es ähnlich. Durch die Vorratswirtschaft, die wir hier umständebedingt häufig betreiben, sind manchmal so viele Vorräte da, dass ich es schon als belastend empfinde. Gelegentlich haben wir dadurch größere Mengen an frischen, sehr reifen Nahrungsmitteln hier, die dann unabhängig vom Appetit “nach Reifegrad” gegessen werden “müssen” … also das, was sonst verderben würde, zuerst. Eine gewisse Auswahl zu haben – beim Essen, bei der Kleidung oder wobei auch immer -, ist einerseits natürlich schön. Andererseits hat das Gegenteil wirklich etwas Erleichterndes, Vereinfachendes. Spart Zeit, Energie & fördert Gefühle von Dankbarkeit & Demut.

Mich inspiriert das jetzt gerade, auch mal wieder gründlich auszusortieren. Wer macht mit?

Was die Nahrungsbeschaffung betrifft, so ist die aktuelle Jahreszeit geradezu prädestiniert für “Vereinfachung”, so viel wächst & reift jetzt an wilden bzw frei verfügbaren Pflanzen & Früchten: Brombeeren, Heidelbeeren, Mirabellen… & natürlich nach wie vor jede Menge Wildkräuter.

Wir sind heute mal der Mundraub-Karte gefolgt & auf der Suche nach Mirabellen & Pflaumen rund um den Eichbaumsee gelaufen. Erfolgreich – da stehen wirklich jede Menge Bäume. Der Großteil der Früchte am Baum war zwar noch unreif oder hing außerhalb meiner Reichweite, aber beim Fallobst sind wir fündig geworden … lecker!

Was es sonst noch gab heute: