Archive for November, 2011



Wilde Früchte, Wildfrüchte, Hunger

Thursday, November 24th, 2011

Um es gleich vorab klarzustellen: mit Rohkost bist du meiner Meinung nach auf jeden Fall schon mal auf dem richtigen Weg; rohe Früchte & Gemüse, egal welche, sind gewiss wertvoller für die Ernährung als gekochtes Essen. Dass es dennoch meiner Erfahrung nach nicht egal ist, wie sich die rohköstliche Nahrung zusammensetzt, darüber habe ich schon öfter, zuletzt vor ein paar Tagen hier geschrieben. Insbesondere was Früchte betrifft. Da ich mit meiner Beschreibung der wilden Früchte, Wildfrüchte, gezüchteten Früchte & meinen diesbezüglichen Empfehlungen scheinbar einige verunsichert habe, heute noch mal ein Versuch der Klärung.

Als erstes: esst Früchte, aus einem möglichst großen Angebot, welche & soviel ihr wollt. Das heisst, die Sorten & Mengen, mit denen es euch gut geht! Ich kann es nicht oft genug sagen: jedeR von euch hat ihren/seinen eigenen Körper, ist selbst verantwortlich für sich & muss selber feststellen, was gut tut & was nicht! Ich teile hier nur meine Erfahrungen & Ideen – vielleicht hilft euch ja manches davon weiter, auch wenn höchstwahrscheinlich nicht alles mit euren eigenen Erfahrungen übereinstimmt!

Also, Früchte: es gibt Wildfrüchte. Wilde (ursprüngliche) Früchte, auch aus Anbau. Und mehr oder weniger stark gezüchtete Früchte.

  • Wilde Früchte, also solche die wirklich wild wachsen, haben die meisten von uns höchstens gelegentlich & in kleinen Mengen in ihrer Umgebung. Insbesondere in den nördlichen Ländern wächst im Winter viele Monate lang kaum etwas. Was vermutlich die meisten, selbst Großstädter oder im Gebirge Ansässige kennen & im Spätsommer finden dürften, sind Brombeeren.
  • Wildfrüchte, ursprüngliche Früchte, geschaffen von der Natur, gab es schon vor den Menschen bzw haben sich unabhängig von ihm entwickelt. Sie können natürlich trotzdem vom Menschen absichtlich weiter angebaut werden, würden jedoch auch ohne menschliche Pflege weiterexistieren. Wiederum das Beispiel der Brombeeren. Solche Pflanzen können “veredelt” werden, damit sie z. B. produktiver werden. Und weiter gezüchtet werden, um möglichst schöne, süße, große … Früchte zu erhalten. Der Unterschied ist z. B. gut bei Heidelbeeren zu erkennen. Die wilden sind viel kleiner & längst nicht so süß wie manche der Zuchtsorten. Wobei selbst die letzteren im Vergleich zu den üblichen im Handel erhältlichen Äpfeln noch viel näher an ihren Ursprüngen sind. Mal ehrlich, habt ihr mal Früchte von einem wildwachsenden oder wenigstens seit Jahren verwilderten alten Apfelbaum gegessen? Und gemocht? Die Äpfel sind viel kleiner, verwachsener, oft holziger, vor allem viel weniger süß. Das, was im Bioladen (und erst recht im Supermarkt) herumliegt & aussieht wie Äpfel – da ist wahrhaftig nicht mehr viel drin.
  • Womit wir bei den (mehr oder weniger stark) gezüchteten Früchten sind: je mehr in die Natur eingegriffen wird, desto weniger widerstandsfähig werden die Pflanzen. Das natürliche Gleichgewicht der Frucht gerät durcheinander – sie neigen zu Krankheiten, Schädlingsbefall etc. Und nähren uns deswegen logischerweise nicht mehr so perfekt wie ihre von der Natur geschaffenen, ursprünglichen Versionen. Gezüchtet wird auf das hin, was sich gut verkauft: einen süßen Geschmack, eine leicht zu essende Konsistenz (wenig Fasern), wenig Schale & Kern, viel Fruchtfleisch, große Früchte. Das geht zu Lasten der Nährstoffe, der Mineraliengehalt nimmt ab, sinnvolle natürliche Eigenschaften, die uns z. B. erkennen lassen, wann wir genug gegessen haben, verschwinden.

    Nun sind natürlich nicht alle im Handel erhältlichen Früchte gleichermaßen überzüchtet. Am wenigstens dem Wohlbefinden dienlich sind wohl die kernlos gezüchteten Hybridfrüchte. Einige der (relativ) ursprünglichen Früchte, die ihr im Handel bekommt, habe ich ja neulich schon mal aufgelistet (wobei diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt!). Mögliche Hinweise bei der Einschätzung der Ursprünglichkeit solcher Früchte aus dem Laden oder vom Versender liefert ein Blick auf die Frucht & ein Vergleich mit den oben genannten Zuchtzielen: Geschmack, Form, Größe, Verhältnis Kerne/Schale/Fruchtfleisch usw.

Ach ja: dies hier heisst nicht, dass ihr keine Äpfel (Bananen, Mangos … usw) mehr essen solltet. Oder gar hungern sollt, wenn ihr keine Wildfrüchte in eurer Umgebung findet. Esst Wildfrüchte, wenn ihr sie findet. Kauft wilde Früchte, wenn es euch möglich ist. Ansonsten: esst was ihr bekommen könnt & mögt & gleicht ein eventuelles Ungleichgewicht mit Grünzeug, Wildkräutern, aus, falls ihr auch das Gefühl habt, dass sonst etwas fehlt.

Mineralien & Salze

Wednesday, November 23rd, 2011

Salz ist ein isoliertes Produkt, aus dem natürlichen Zusammenhang gerissen. Würden wir uns wahrhaftig natürlich ernähren, aus der Natur, hätten wir kein Salz. Was für mich die Frage, ob wir Salz brauchen oder nicht, eindeutig beantwortet. Was wir brauchen, sind die Mineralsalze. Die in Pflanzen, insbesondere in grünen Blättern, enthalten sind. Deswegen mögen wir den salzigen Geschmack, selbst wenn wir nicht durch jahrelange Kochkost darauf geprägt wurden.

Von dem, was im Supermarkt unter dem Namen “Salz” verkauft wird, möchte ich hier gar nicht reden. Jedoch selbst relativ hochwertiges Salz, wie unraffiniertes Meersalz oder Kristallsalz, ist ein denaturiertes Produkt. Und überlistet als solches unseren Instinkt: gesalzen schmecken uns Dinge, die wir sonst nicht mögen. Mit ein bisschen Salz schmeckt die Avocado gleich so verlockend, dass wir über unseren Hunger hinaus weiteressen. Salz wirkt suchterzeugend – die Gewöhnung an den Geschmack geht schnell & schon stumpft unser Geschmackssinn ab, schmecken uns natürliche Nahrungsmittel fad & langweilig. Dagegen hilft nur eins: Salz weglassen. Am besten ganz & gar & sofort. Wem das zu heftig ist, der kann es natürlich auch nach & nach reduzieren, ausschleichen sozusagen. Ich habe das zu Beginn meiner Rohkostzeit so gemacht, eher zufällig als absichtlich: zu Anfang war ich mir der Schädlichkeit des Salzes an sich noch gar nicht bewusst & mochte den Geschmack einfach noch. Je länger ich roh gegessen habe, besonders mit der zunehmenden Menge an Wildkräutern, desto weniger mochte ich das künstliche Salzige. Nach einiger Zeit konnte ich gesalzene Salate oder Dipps, wie sie auf Rohkosttreffen serviert wurden, nicht mehr essen – so unangenehm war mir der salzige Geschmack.

Über diese den Instinkt verfälschende Wirkung hinaus kann Salz auch Schäden in unserem Körper anrichten. Deutlich zu sehen ist das, wenn jemand nach langer Zeit ohne oder mit kaum Salz doch mal wieder etwas Gesalzenes isst: es kommt zu Wassereinlagerungen, z. B. dicken Füßen oder Schwellungen im Gesicht. Ich selbst habe kürzlich erst eine ziemlich starke Reaktion nach dem Essen einer gesalzenen Sauce erlebt. Der langjährige Rohköstler Karl Probst berichtete im vergangenen Jahr in der Zeitschrift “Natürlich leben”, dass er ein schon lange andauerndes gesundheitliches Problem endlich loswurde, indem er auf Salz verzichtete. Eine Rückkehr zum Salz nach mehrwöchiger Pause brachte auch sofort das Problem wieder zurück.

Die Tochter, die, seit sie es bei einer Freundin kennengelernt hat, ihre Avocado, Sonnenblumenkerne oder Linsen gern nachsalzt, hat dafür in den letzten Jahren statt purem isoliertem Salz immer gemahlene getrocknete Algen, im Salzstreuer mit ein wenig unraffiniertem Meersalz aus dem Bioladen gemischt, genommen. Vor Kurzem haben wir etwas Neues “erfunden” – sie verwendet nun eine Sellerie-Algen-Mischung: gemahlene getrocknete Blätter vom Staudensellerie, gemahlene Algen & ein wenig von dem Meersalz. Geschmacklich dominiert der Sellerie – ich wiege es nicht ab, aber es sind wohl ungefähr 5% Salz in der Mischung. Was ihre Lust auf den salzigen Geschmack & auf die Tätigkeit des Salzens an sich befriedigt & ihr gleichzeitig noch ein bisschen mehr Grünzeug, mit den wichtigen Mineralsalzen in ihrem natürlichen Verbund, gibt. Staudensellerie ist übrigens ohnehin ein guter Lieferant für Mineralsalze. Frisch & in guter Qualität schmeckt er von selbst tatsächlich salzig. Ein beliebter Snack hier sind in ca 0,5 cm breite Stücke geschnittene Selleriestangen – rohköstliche Erdnussflips, sozusagen ;)

Getrocknete Sellerieblätter & Meeresspaghetti - zusammen gemahlen ein prima Salzersatz

Herbststimmung

Tuesday, November 22nd, 2011

Äpfel & Maronen, frisch mitgebracht von La Palma

Von Vorweihnachtsstimmung bin ich, trotz der überall präsenten Weihnachtsdekorationen an den Straßen, noch weit entfernt … ich bin echt gespannt, wie Weihnachten bei solch ganz anderen Temperaturen wohl wird. Herbstlich fühlt es sich jedoch auch hier jetzt wirklich an, bei nur noch knapp 20° Grad, nachts ca 16°C (hier oben bei uns, in ca. 500m Höhe). Da brauchen wir doch wieder Socken & Pullover. Äußerlich. Von innen Ingwer. Und gelegentlich ein bisschen von meinem Wintervorrat an “Urkost-Schokolade”:

Johannisbrotschoten - yummy!

Für die Extraportion Protein

Monday, November 21st, 2011

Viiiiiel besser als M*ilchschnitte – Kinderteller des Tages mit allem, was Mensch zum Wachsen & Gedeihen so braucht. Einschließlich reichlich Eiweiß aus Algen, Pilzen, Avocados:

Spaghetti (-algen), Tomaten-Avo-Petersilien-Sauce, Champignons, Möhrennudeln, Salat, Cocktailavocados

Übrigens: Für alle Rohkost-Mamas & -Papas, die sich auch auf Facebook herumtreiben: es gibt eine neue Gruppe dort: RohKi – alles für RohkostKinder

Süßer Frühstückszauber

Sunday, November 20th, 2011

Sonntägliches Kinderfrühstück:

Zauberapfel

Ein ausgehöhlter Apfel, gefüllt mit einer Creme aus Banane, Apfel & Hanf. In der Creme versteckt waren außerdem “zauberhafte Überraschungen” … aus Apfel ausgestochene Blumen & Sterne. Dekoriert hab ich mit Rosinen, getrockneten Apfelsternen & Hanf.

Für mich gab es zum Frühstück Apfel & Banane pur. Zum Nachtisch Borretsch, vom Bauernmarkt gestern (an meinen Sammelstellen wächst er leider noch nicht wieder). Nachdem ich der Händlerin auf ihre Frage hin erklärt habe, dass ich den “einfach so” esse, hat sie auch probiert – und für lecker befunden :)

Schlafen & Wachen

Saturday, November 19th, 2011

Mein Naturschlaf-Experiment ruht umständehalber schon wieder … hier trotzdem noch ein paar Worte über die wenigen weiteren Tage.

Nur wenige Tage deshalb, weil nach gut einer Woche unser Stromproblem gelöst war & ich sofort zu meinen üblichen Gewohnheiten zurückgekehrt bin. Denn: unabhängig von den positiven Erfahrungen, wie dem eindeutig besseren Erholungswert des frühen Schlafens und dem Zeitgewinn, hatte ich vor allem ein Problem mit dem Verlust der Abendstunden, die schon immer meine kreativste Zeit waren. Schreiben, Malen, Designen, Programmieren – all das kann ich am besten in den Abend- und Nachtstunden. Wobei ich mir vorstelle, dass ich mich bei dauerhaft verändertem Rhythmus auch in der Hinsicht umstellen würde. Momentan allerdings kollidiert das mit den Anforderungen meines Familienalltags. Später mal also.

In dieser kurzen Zeit also war nach den ersten Nächten die prägnanteste Erfahrung die eines total durcheinander geratenen Wach-Schlaf-Rhythmus. Nach den ersten paar Nächten, in denen ich zwischen 1 und 2 Uhr nachts putzmunter & ausgeschlafen aufgestanden bin, habe ich mich ab der 4. Nacht entschieden, doch lieber im warmen Bett zu bleiben. Wo ich dann ein Weilchen später doch noch mal eingeschlafen bin – und das gleich bis 9! Soviel zum Thema Zeitgewinn. Ausgeruht hab ich mich dann jedenfalls nicht mehr gefühlt, eher zerschlagen. Zuviel Schlaf ist ja auch nicht gut, nech. In den folgenden Tagen war ich zu den unmöglichsten Zeiten müde oder wach, konnte meinen Schlafbedürfnissen aber des Alltags wegen auch nicht einfach folgen … alles eher anstrengend. Ich vermute, das hätte sich nach einer Weile eingependelt. Wobei ein bisschen mehr Freiraum zur Gestaltung meiner Schlaf- & Wachzeiten sicher hilfreich wäre. Später mal also ;) Vielleicht folge ich in der Zwischenzeit mal den Literaturtipps zum Thema, die hier so eingetrudelt sind. Und werde berichten, sobald sich Gelegenheit für weitere Versuche ergibt.